Das Martin-Beck-Theater am New Yorker Broadway am 19. Juni 1953: Auf dem Spielplan steht The Crucible, das neueste Stück des Pulitzer-Preisträgers Arthur Miller. Der vierte Akt läuft, das Stück strebt seinem Höhepunkt entgegen, der Hinrichtung John Proctors, der sich als eine der wenigen Figuren des Dramas durch den bewussten und freiwilligen Gang in den Tod seine Integrität und Moral bewahrt hat. Trommelwirbel kündigt die Vollstreckung des Urteils an: Tod durch den Strang. In diesem Moment erhebt die sich das Publikum im Zuschauerraum schweigend von den Plätzen und verharrt mit gesenkten Köpfen in einer stillen Gedenkminute. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Reaktion? Zur gleichen Stunde wurde im fernen Kalifornien im legendären Zuchthaus Sing-Sing das Ehepaar Julius und Ethel Rosenberg auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Ihr Verbrechen: Spionage für die Sowjetunion ein Vorwurf, der nie beweisen werden konnte und bis heute fragwürdig geblieben ist.
Die Szene im Martin-Beck-Theater zeigt, dass Arthur Miller auch mit seinem dritten Drama, das neben dem Tod eines Handlungsreisenden bis heute zu Millers erfolgreichsten und meist gespielten Stücken gehört, den Nerv der Zeit getroffen hatte. Der unmittelbare Zeitbezug war offenbar und zeigte seine Wirkung beim Publikum, selbst wenn Miller vordergründig ein wahres Ereignis aus dem 17. Jahrhundert als Plot seines Dramas wählte. The Crucible arbeitet mit zwei Ebenen, einer zeit-bezogenen und einer historischen vor dem Hintergrund der um sich greifenden Angst vor islamischem Terror kommt sogar noch eine erschreckend aktuelle dritte Ebene hinzu.
Bereits 1954, ein Jahr nach der Uraufführung in New York, erschien The Crucible in einer deutschen Fassung unter dem Titel Hexenjagd, obwohl es wörtlich viel eher mit „Feuerprobe“ oder „Schmelztiegel“ zu übersetzen wäre. Der deutsche Titel nimmt jedoch direkten Bezug auf die erste, die historische Ebene des Dramas: auf die Hexenprozesse von Salem.
Der historische Hintergrund
Millers Drama basiert auf einer wahren und historisch verbürgten Begebenheit, die sich 1692 in der von strenggläubigen Puritanern gegründeten Hafenstadt Salem in Massachussetts zugetragen hat und die als „Hexenprozesse von Salem“ in die Geschichte eingegangen ist. Die Tragödie der Hexen von Salem begann 1692, als bei acht jungen Mädchen im Alter von elf bis zwanzig Jahren Anzeichen dämonischer Besessenheit bemerkt wurden. Wie es scheint, waren die Mädchen von der Lektüre reißerischer Druckschriften über das Hexenwesen beeindruckt worden. Darüber hinaus mögen sie auch von den abenteuerlichen und gruseligen Geschichten der indischen Sklavin Tituba fasziniert gewesen sein. Die ersten Opfer der Hysterie waren die elfjährige Abigail Williams und deren Cousine Elisabeth Parris, die neunjährige Tochter des Ortsgeistlichen Samuel Parris. Die Mädchen erlitten Anfälle, schrieen und krümmten sich am Boden, verhielten sich, als wären sie Tiere. Verwandte und Nachbarn waren von dem gottlosen Verhalten der Mädchen schockiert, die Mädchen warfen die Bibel durch den Raum, störten die Gottesdienste und gehorchten ihren Eltern nicht mehr. Schon bald zeigten auch andere Mädchen ähnliche Symptome. Angesichts dieser Hysteriewelle im Dorf kamen die Geistlichen und der ortsansässige Arzt Dr. Griggs, der keine medizinische Erklärung für die Anfälle finden konnte, überein, dass die Ursache für das ungewöhnliche Verhalten der Mädchen nur Hexerei sein konnte.
Die Mädchen wurden befragt und gebeten, die Hexen zu nennen, welche für diesen Zustand verantwortlich seien. Womöglich in der Hoffnung, auf diese Weise einer Bestrafung für ihre Vergehen zu entgehen, nannten die Mädchen die Namen mehrerer Frauen, welche alle auf die eine oder andere Art Anhaltspunkte für den Verdacht der Hexerei lieferten. Als eine ihrer Peinigerinnen benannten die Mädchen Tituba, die Sklavin der Familie Parris. Die anderen waren Sarah Good, eine Bettlerin, die eine schwäche für das Pfeifenrauchen hatte, Sarah Osborne, eine verkrüppelte Frau, die drei Mal verheiratet gewesen war und Martha Cory, welche mit ihrem Sohn, einem Halbblut, außerhalb der ehrbaren Gesellschaft lebte. Diese vier Frauen wurden im Februar 1692 verhört. Alle vier bestritten jegliche Beschäftigung mit der Hexenkunst. Die Richter zeigten sich jedoch mehr vom Verhalten der jugendlichen Klägerinnen beeindruckt, die ihre Vorwürfe wiederholten und obendrein behaupteten, sie seien geschlagen und anderweitig misshandelt worden. Neben den ursprünglichen Anschuldigungen klagten die Mädchen offenbar auf Veranlassung von Ann Putnams Mutter noch weitere Dorfbewohner an. Bis zu 150 Personen aller Klassen und gesellschaftlicher Herkunft wurden in den Fall hineingezogen. Die Bezichtigungen waren meist ähnlicher Natur: Die beschuldigte Person hatte die Klägerin angeblich gepeinigt, indem sie ihre „Erscheinung“ ausgesandt habe, um das Mädchen zu quälen. In den folgenden Hexenprozessen von Salem wurden insgesamt 25 Personen zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet. Dutzende weitere wurden verhaftet. Waren bis zu diesem Zeitpunkt in den Kolonien Nordamerikas, anders als in Europa, nur vereinzelt bekannt gewesen, so stellen die Hexenprozesse von Salem den schlimmsten Ausbruch des Hexenwahns westlich des Atlantiks dar.
Zeitbezug 1953: Die MacCarthy-Ära
Arthur Miller zeichnet in seinem Drama die Hexenprozesse von Salem detailgetreu nach. Sogar die Personennamen entsprechen den historischen Figuren. Doch Miller wäre nicht er selbst, wäre nicht der zeitkritische Autor und scharfe Beobachter seiner Zeit, wenn es ihm nur darum gegangen wäre, eine historische Begebenheit in eine dramatische Form zu gießen. Miller nutzte den historischen Hintergrund der Geschichte, um ganz konkret Stellung zu den Machenschaften von US-Senator Joseph McCarthy zu beziehen. Der brillante Rhetoriker McCarthy hatte Anfang der 1950er Jahre mit seinen antikommunistischen Reden eine wahre Hetzkampagne gegen vermeintliche Kommunisten im Land in Gang gesetzt. So behauptete er, von mehr als 200 sowjetischen Spionen im Außen-ministerium zu wissen. Beweise lieferte McCarthy keine, erhielt aber dennoch einen eigenen Untersuchungsausschuss. Die Liste der von ihm grundlos Beschuldigten wurde immer länger. Auf ihr standen auch berühmte Namen wie Charly Chaplin, Leonard Bernstein, Bertolt Brecht, Orson Welles und Arthur Miller.
Besonders großes Aufsehen in der Öffentlichkeit erregten die Schauprozesse gegen Beamte, Politiker, Künstler und Wissenschaftler, die beschuldigt wurden, kommunistische Agenten zu sein. Die berühmtesten Prozesse waren die gegen Alger Hiss und das eingangs erwähnte Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg. Der Prozess gegen Alger Hiss begann bereits, bevor McCarthy in Erscheinung trat. Er wurde nie konkret wegen Spionage verurteilt, jedoch letztlich wegen Meineids. Ethel und Julius Rosenberg wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet, weil sie angeblich Staatsgeheimnisse an die Sowjetunion übergeben hatten. Solche Prozesse basierten typischerweise auf Informationen von Spitzeln oder Komplizen.
Erst nach vier Jahren, 1954, wurde McCarthys Treibjagd gestoppt. In jenem Jahr hatte er auch der Armeeführung kommunistische Aktivitäten unterstellt und war damit zu weit gegangen. McCarthy wurde von seinen Mit-Senatoren öffentlich gerügt. Daraufhin verschwand der Kommunistenjäger in der Bedeutungslosigkeit und starb drei Jahre später an den Folgen seiner Alkoholsucht.
Arthur Miller war ein aufmerksamer und kritischer Beobachter des politischen Geschehens um ihn herum. In seiner Autobiografie Zeitkurven beschreibt Miller die Atmosphäre in New York Anfang der 1050er Jahre, als der „Ausschuss für un-amerikanische Aktivitäten“ die New Yorker Theaterleute zunehmend in Unruhe versetzte: „Für mich war vielleicht die Atmosphäre, die entstand, beunruhigender als alles andere. Eine erstickende Wolke des Misstrauens hing nicht nur über dem Rundfunk, dem Fernsehen und den Filmstudios, sondern drang bis in die Holy Trinity Church in Brooklyn Heights. Der Pfarrer, Reverend William Howard Melish, wurde durch eine antikommunistische Kampagne seines zerstrittenen Kirchenvorstands von der Kanzel und seine Familie aus ihrem Haus vertrieben. (...) musste ich zu dem Schluss kommen, dass das Land tatsächlich beabsichtigte, ein ideologischer Monolith zu werden, der keine echten Meinungsverschiedenheiten in irgendeinem wichtigen Punkt mehr zuließ.“ Diese Erfahrungen ließen in Miller die Idee und den Wunsch reifen, die politischen Vorgänge in einem Stück kritisch zu beleuchten: „... ich suchte eine Metapher, ein Bild, das aus dem Herzen kommen würde; es sollte allumfassend, von Licht erfüllt und ein klangvolles Instrument sein, dessen Widerhall bin in den Mittelpunkt dieser ansteckenden Krankheit vordringen würde. Denn wenn der augenblickliche Niedergang des öffentlichen Diskurses weiterging und ich hatte allen Grund, daran zu glauben , konnten wir nicht länger eine Demokratie sein, ein System, das ein gewisses grundsätzliches Vertrauen braucht, um bestehen zu können.“
Dieses Instrument, dieses „aus dem Herzen kommende Bild“ fand Miller in den Hexen von Salem, von denen er nach eigener Aussage seit den Vorlesungen über amerikanische Geschichte in Ann Arbour wusste. „Zunächst verwarf ich die Idee, über dieses Thema ein Stück zu schreiben. (...) Aber im Laufe der Wochen stellte sich in meiner Vorstellung eine lebendige Beziehung zwischen mir und Salem und zwischen Salem und Washington her; die Verhandlungen vor dem Ausschuss mochten im Grunde sein, was sie wollten ich erkannte, dass sie eingestandenermaßen ritueller Natur waren. Immerhin wusste der Ausschuss beinahe in allen Fällen bereits im voraus, was die Zeugen ihm gestehen sollten: die Namen von Parteigenossen. (...) Im wesentlichen ging es bei den Verhandlungen genau wie bei den Prozessen im siebzehnten Jahrhundert in Salem darum, dass der Angeklagte ein öffentliches Geständnis ablegte und seine Komplizen und seinen Gebieter, den Teufel, verdammte.“
Die Thematik des Stückes und Millers offen gezeigtes soziales Engagement führte schließlich dazu, dass der Autor selbst zu den als anti-amerikanisch Verdächtigten gehörte und vor den Ausschuss gerufen wurde. Wie John Proctor in seinem Stück sollte Miller, um sich selbst zu entlasten, Namen von Personen nennen, die an kommunistischen Schriftstellertreffen teilgenommen hätten und damit zur Aufdeckung anti-amerikanischer Umtriebe beitragen. Miller verweigerte die Aussage und wurde sogar wegen „Missachtung des Kongresses“ zu einer Gefängnis- und Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde ein Jahr später aufgehoben.
Aktuell bis heute
Auch heutzutage, am Beginn des 21. Jahrhunderts, über 300 Jahre nach den Hexenprozessen von Salem und rund 50 Jahre nach McCarthy und der Uraufführung von Hexenjagd, ist Arthur Millers Drama aktueller denn je: „Diese Bedrohung von außen [i.e. die Sowjetunion in den 1950er Jahren] ist ein nützliches Mittel, um an der Macht zu bleiben. Wir sehen es jetzt gerade mit Bush und den Irakern.“ Diese Gleichsetzung der momentanen politischen Situation in den USA mit den Zuständen in der McCarthy-Zeit stammt nicht etwa von dem populären Bush-Kritiker Michael Moore, sondern von keinem Geringeren als Hexenjagd-Autor Arthur Miller. Für den vor zwei Jahren verstorbenen Dramatiker, für den die Anschläge vom 11. September 2001 Teil eines Krieges gegen die Menschheit waren, wiederholt sich die Geschichte nach diesen furchtbaren Ereignissen in erschreckendem Maße. Im den islamistischen Terroristen hat Amerika ein neues Feindbild gefunden. Sicherlich sind die verstärkte Vorsicht und die Furcht nicht unberechtigt, doch die neu geschürte Paranoia schießt immer wieder über das Ziel und das vernünftige Maß hinaus vor allem auch in der Art und Weise, wie mit vermeintlich Schuldigen und Angeklagten umgegangen wird. Und denjenigen, die Parallelen zwischen den Angeklagten in Millers Hexenjagd und den Häftlingen im berüchtigten Camp von Guantanmo Bay sehen, hätte Arthur Miller sicherlich nicht widersprochen. Fanatismus, Hysterie, Angst vor dem Fremden und Anderen und Denunziation sind leider zeitlose Erscheinungen durch die Jahrhundert bis in die Zukunft. So stellte Miller selbst fest, dass „Hexenjagd wahrscheinlich und bedauerlicherweise nicht so bald der Bedeutungslosigkeit anheimfallen“ wird.
Dr. Cornelia Weidner
Salem, eine streng puritanischen Gemeinde
im amerikanischen Staat Massachusetts, im Jahr 1692.
Pastor Parris, der Geistliche des Ortes, hat seine Tochter Betty, seine Nichte Abigail Williams und einige andere Mädchen entdeckt, wie sie im Wald zu den Liedern der noch im Heidnischen verwurzelten schwarzen Sklavin Tituba tanzten. Er meint sogar, einige nackt gesehen zu haben. Einige der Kinder, Parris' Tochter Betty und auch Ruth Putnam, scheinen sich nicht von dem Schock der Entdeckung zu erholen. Sie werden ohnmächtig und krank. Da die "Krankheiten" der Kinder nicht von Ärzten zu erklären sind, entsteht schnell das Gerücht von übernatürlichen Ereignissen, von Teufelsbeschwörung und Hexerei.
Pastor Parris beauftragt Pastor Hale, einen Teufelsspezialisten, der Krankheit seiner Tochter auf den Grund zu gehen. Die Mädchen, allen voran Abigail, merken sehr schnell, dass sie sich selbst vor Strafe bewahren können, wenn sie andere beschuldigen, sie zu ihrem verbotenen Tun getrieben zu haben. Sie nennen wahllos Namen von Gemeindemitgliedern, die angeblich mit dem Teufel im Bund stehen, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Vor Gericht treten die Mädchen als Zeuginnen auf und denunzieren an jedem Prozesstag neue angebliche Hexen, die daraufhin verhaftet werden. Der Bauer John Proctor durchschaut jedoch diese Lügen und warnt davor, den Anklagen der Mädchen Glauben zu schenken. Abigail jedoch, die auf Proctors Hof als Magd gedient und mit Proctor ein intimes Verhältnis gehabt hat, will Proctors Frau werden und bezichtigt Elizabeth Proctor der Hexerei.
Proctor versucht mit Hilfe seiner Magd Mary Warren, seine Frau zu retten und vor Gericht zu beweisen, dass Abigail und die Mädchen lügen. Anfangs gesteht Mary, dass das Verhalten der Mädchen Vortäuschung ist, doch unter dem Druck der Mädchen und einem neuen gespielten Anfall kann sie die Wahrheit nicht durchhalten. Sie beschuldigt nun Proctor, mit dem Teufel im Bund zu sein und sie zum Geständnis gezwungen zu haben. Proctor wird sofort verhaftet und zum Tod verurteilt. Er bekommt jedoch noch eine Chance, sein Leben zu retten: Er muss sein Bündnis mit dem Teufel eingestehen. Doch kann er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, sein Leben für eine Lüge zu erkaufen. Somit ist sein Schicksal besiegelt ...
Die verhängnisvolle Eigendynamik der Ereignisse zeigt sich auch besonders am Verhalten der kirchlichen Vertreter. Während Pastor Parris aus Angst um Ruf und Stellung den Geschehnissen tatenlos zusieht, reicht dem ehrenwerte Richter Danforth das angebliche Wissen der noch kindlichen Mädchen, um Menschen als Hexen anzunehmen und zu verurteilen. Nach Beginn und Verselbstständigung des Prozesses verharrt er in seiner starren Haltung und glaubt, nicht mehr zurück zu können. Seine Eitelkeit und Unfähigkeit, als Autoritätsperson seinen Irrtum einzugestehen, macht es ihm unmöglich, das Aburteilen von unschuldigen Bürgern zu beenden. Nur Pastor Hale kommt zur Einsicht und versucht Leben zu retten, doch er muss verzweifelt erkennen, dass der Wahn stärker ist als alle Vernunft.
Salem, Massachusetts im Februar 1692
In dem puritanischen Städtchen Salem breitet sich ein Feuer unter den gottesfürchtigen Bürgern aus - ein Feuer, dessen Funke aus dem alten Europa über den Atlantik in die neue Welt übergesprungen ist: der Hexenwahn. Auslöser ist der nächtliche Tanz einiger Mädchen mit der abergläubischen Sklavin Tituba im Wald, die bei ihrem „unzüchtigen“ Treiben von Pastor Parris ertappt werden. Aus Angst vor einer drakonischen Strafe durch die starren puritanischen Regeln und Gesetze flüchten die Mädchen in eine Art Hysterie und täuschen unerklärliche Anfälle vor. Auch Betty, die einzige Tochter des stets nur auf seinen materiellen Vorteil bedachten Pastors Parris, und seine berechnende Nichte Abigail sind daran beteiligt. Weitere unheimliche Vorfälle und nicht zuletzt der religiöse Fanatismus mit seinem Hang zum Irrationalen führen unweigerlich zu dem Schluss, dass der Teufel in Salem am Werk sein müsse.
Geschürt von der Aussicht darauf, ungeliebte Konkurrenten zu denunzieren, diese auszuschalten, sich zu bereichern und zu profilieren, eskaliert die Situation und erstickt jeglichen gesunden Menschenverstand im Keim. Der Fall wird der Kirche und dem obersten Gericht überantwortet. Von den Vertretern der Obrigkeit und „anständigen“ Bürgern Salems in die Enge getrieben, sehen die Mädchen ihre einzige Rettung in der Anklage der wehr- und „wertlosen“ Außenseiter der frommen Gesellschaft Salems. So werden die Sklavin Tituba und die Bettlerin Sarah Good die ersten Opfer, die der Hexerei und des Verkehrs mit dem Teufel beschuldigt werden. Die Mädchen werden zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens und erkennen ihre ungeahnte Macht, die sie durch immer neue Beschuldigungen gegen Hunderte von achtbaren Bürgerinnen und Bürgern missbrauchen.
Die Perversion der folgenden Hexenprozesse liegt auf der Hand: Wer leugnet, wird hingerichtet, wer gesteht, dem wird das Leben geschenkt unter der Bedingung, dem Gericht weitere Namen preiszugeben. Dutzende rechtschaffener Bürger werden verurteilt und durch den Strang hingerichtet. Abigail, die Rädelsführerin des Komplotts, erkennt darin ihre Chance, sich der Frau ihres früheren Arbeitgebers, des Bauern John Proctor, zu entledigen, um ihn nach ihrer gemeinsamen ehebrecherischen Affäre ganz für sich zu gewinnen. Elizabeth Proctor wird von ihr angeklagt, des Paktes mit dem Teufel beschuldigt und schließlich zum Tode verurteilt. Obwohl Elizabeth und John Proctor das Spiel durchschaut haben, und er dem Gericht seinen Ehebruch und die wahren Beweggründe Abigails und der Mädchen offenbart, gibt es keinen Ausweg. Selbst als der einflussreiche Pastor Hale, der kirchliche Hexenbeauftragte, die wahren Hintergründe erkennt, ist es diesem unmöglich, dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Auch John Proctor wird von dem obersten Richter, dem Stellvertretenden Gouverneur Danforth, wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Am Tag vor seiner Hinrichtung wird er vor die Wahl gestellt: Er kann öffentlich gestehen und somit sein Leben retten, oder aber er bleibt aufrecht und leugnet weiterhin standhaft und entscheidet sich somit für seine Ehre, die Wahrheit und die Solidarität mit seinen unschuldig hingerichteten Mitmenschen ...
Arthur Miller gilt als wichtiger gesellschaftskritischer Dramatiker der neueren Zeit. Seine sozial- und zeitkritischen Dramen wenden sich gegen den so genannten American Way of Life, bei dem der berufliche Erfolg im Mittelpunkt steht. Immer wieder stellte Miller die ethische Verpflichtung des Einzelnen in den Vordergrund.
Miller wurde 1915 als Kind einer jüdischen Familie in New York geboren. Nach der Insolvenz der elterlichen Schneiderei im Jahre 1929 siedelte die polnische Immigrantenfamilie von Isadore und Augusta Miller mit ihren weiteren Kindern Kermit und Joan nach Brooklyn über. Nach seinem High-School-Abschluss arbeitete er in verschiedenen Jobs bis zu seiner Aufnahme an die University of Michigan im Jahre 1934. Hier hatte er sich zunächst für Journalismus eingeschrieben, wechselte aber 1936 ins Hauptfach Englisch. Auslöser zum Wechsel war der Gewinn des Avery Hopwood Award in Drama für sein Stück No Villain. Nach diesem Erfolg wurden mehrere Stücke von Miller in Ann Arbor und Detroit bis zu seinem Abschluss im Jahre 1938 aufgeführt.
Miller wurde 1949 als gerade erst 33-jährigem Autor der Pulitzer-Preis für sein Drama Death of a Salesman (Tod eines Handlungsreisenden) verliehen. Parallelen seiner Filme zur McCarthy-Ära in den USA der 1950er Jahre und die damit einhergehende so genannte Kommunistenjagd brachten Miller viele berufliche und private Schwierigkeiten. 1957 wurde Miller verurteilt, da er sich weigerte, vor einem Untersuchungsausschuss Namen von ihm bekannten Kommunisten zu nennen. Das Urteil wurde nach Ende der Kommunistenhysterie zurückgenommen, wodurch sich Miller beruflich wieder etablieren konnte und seine Stücke bis heute immer wieder aufgeführt und gefeiert werden. Er war drei Mal verheiratet. Das erste Mal mit Mary Grace Slattery 1940. Aus dieser Ehe existieren zwei Kinder: Jane Ellen (*1944) und Robert A. (*1947). Nachdem er über den Regisseur Elia Kazan den Hollywood-Star Marilyn Monroe kennen gelernt hatte, ging die Ehe mit Mary Grace Slattery in die Brüche. 1956 heiratete Arthur Miller den Leindwand-Star; die Ehe hielt nur vier Jahre bis 1960 und ließ den Intellektuellen ins Visier der Klatschpresse geraten. Für seine Ehefrau arbeitete er eine Kurzgeschichte in ein Drehbuch um, das mit ihr in einer Hauptrolle unter dem Titel Misfits Nicht gesellschaftsfähig von John Huston verfilmt wurde. In dritter Ehe war Miller ab 1962 mit der österreichischen Fotografin Inge Morath verheiratet, die drei Jahre vor ihrem Mann, 2002, starb.
Bis zuletzt blieb Miller ein politisch interessierter und aktiver Mensch, der mit seiner Meinung nicht hinter dem berg hielt. So bezog er in seinen letzte Lebensjahren immer wieder öffentlich Stellung gegen die US-Politik von George W. Bush. Arthur Miller starb am 10. Februar 2005 im Alter von 89 Jahren in Roxbury im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut.